Was war und ist, kommt und bleibt. . .

Es fühlt sich an, als würde ich (wieder) meinen besten Freund verlieren.

Alles ist anders, seit Pfingsten, seit er seine Freundin hat.
Die auch meine Freundin ist.
Ich hätte niemals auch nur im Ansatz vermutet, dass so etwas passieren könnte, dass irgendetwas zwischen uns kommt. Es war doch immer so wunderbar unkompliziert und nicht vorstellbar, dass es das jemals werden könnte.
Seit diesem Wochenende ist genau das eingetreten. Ist es Realität.
Im Rückblick habe ich das Gefühl, dass ich fast hören konnte, wie etwas in mir zerbricht, an diesem Tag. In jedem Fall fühlen, sehr intensiv. Ja, es ist, als wäre etwas kaputtgebrochen in mir, zwischen uns.
Ich sagte ihm viele Dinge dazu, unter anderem, dass ich Schwierigkeiten mit der Situation hätte. Aber ich dachte selbst, ich müsste mich nur ein wenig daran gewöhnen, dann würde sich das wieder geben. Natürlich ist Pfingsten auch noch nicht sonderlich lange her, aber gerade glaube ich kaum, dass ich mich jemals tatsächlich gewöhnen werde.
Er spricht nur noch in "wir". Es ist, als wäre der Mensch, mit dem ich noch vor ungefähr einem Monat dieses wunderbare Gespräch führte, nicht mehr da, abgetaucht, irgendwo versteckt. Überall ist sie gegenwärtig. Entweder bei ihm oder am Telefon. Dann kommt es vor, dass das Gespräch über icq einfach quasi abbricht und wenn man sich dann erkundigt, dann, sorry, er telefoniert. Das sogar einmal in einer Situation, in der es mir wirklich, wirklich schlecht ging. Wir hatten zwar auch schon eine Weile darüber geredet, aber für mich war das noch nicht abgeschlossen...da hört es auf, denn er telefoniert.
Wir reden seltener, ich ziehe mich zurück. Es ist, als würde ich die Dinge dann auch gleichzeitig ihr erzählen. Ich weiß, das ist paranoid. Er fragt mich oft, wie es mir geht. Und ich weiß, dass er sich der Tatsache bewusst ist, dass ich lüge. Wenn ich sage, es geht mir gut. Anfangs bohrte er noch nach, jetzt nicht mehr so. Aber was erwartet er, dass ich ihm sage? Was soll ich ihm denn erzählen? Was macht das besser? Natürlich, ich dramatisiere, ich sehe viel zu sehr die negativen, endgültigen Seiten. Noch ist doch überhaupt nichts gesagt. Aber das Gefühl. Das Gefühl ist so völlig anders, so falsch, so vergiftet.

Ich schrieb ihm eine SMS, nach diesem Abend:

Danke fürs Füllen der Liste , fürs ehrlich-sein-dürfen, für das wofür man keine Worte braucht...und dafür, dass wir du und ich sein können.

Wenn ich das jetzt lese...hat es etwas Unwirkliches.
Ich möchte das gerne noch genau so denken und fühlen, natürlich. Aber momentan schätze ich, dass das nicht möglich ist. Ich kann es mir nicht vorstellen.
Wenn ich mit ihm rede (was meine Cousine gestern getan hat, die ähnlich betroffen von der ganzen Situation ist), was wird dann? Was könnte ich ihm sagen, was etwas besser macht? Das Gefühl wird bleiben. Dass es nicht mehr ist wie es war. Dass sich Kompliziertheit in uns geschlichen hat. Dass es scheinbar etwas gibt, das ganz einfach, ganz leicht alles aus den Fugen geraten lässt.
Wenn ich alles anspreche macht es das nicht besser.
Wenn ich schweige macht es das nicht besser.
In welche Richtung ich mich auch wende, mir scheint am Wegesrand wartet doch nur das, was ich nicht will.
Nie wollte.
Nicht schon wieder.


Ich hätte nicht gedacht, dass ich das mal sagen muss, nicht bei diesem Menschen.

Aber ich vermisse ihn.
Und uns.


Am Tempel ist ein Gedicht mit dem Titel "Verlust" in den Stein gemeißelt. Es hat drei Worte, aber der Dichter hat sie ausgekratzt. Man kann Verlust nicht lesen, nur empfinden.

Arthur Golden - Die Geisha

3.6.08 15:02


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Ich wünsche mir mal wieder eine Umarmung von ihm, bei der ich nicht das Gefühl habe, weinen zu müssen.
Eine, die nicht danach schreit, möglichst schnell vorbei sein zu müssen, damit ich mich nicht winden muss in Abwehr.
Eine, in der ich einfach meinen besten Freund umarmen kann. Den Menschen, der es war, ist und bleiben wird.


Aber momentan scheint dieser Wunsch ziemlich weit weg.


Gleich hier Fußball gucken und Pizza essen. In der üblichen Konstellation. Der neuen, bei der ich mich zeitweise am liebsten übergeben würde. Vielleicht würden dann ja die Tränen und der Verlust aus mir herauslaufen.
Seit einem Monat viel zu gegenwärtig.


Ich vermisse ihn.

Und es ist irgendwie tragisch, dass nicht über den sagen zu müssen, über den es sonst immer gesagt wird.
Sondern über ihn - die wichtigste männliche Bezugsperson.
13.6.08 20:11


Ihm die Seele vor die Füße zu kotzen war eine unglaublich miese Idee.

Denn wenn ich jetzt sage, dass wahrscheinlich alles vorbei ist. Dass ich meinen besten Freund verloren habe. Dass nichts mehr wird, wie es mal war.
Dann klingt das in meinen Ohren wesentlich weniger nach Melodramatik und Übetreiben und Negativsehen als noch gestern Abend.
Sondern viel mehr nach...Realismus.

Das war wirklich mit das Dümmste, was ich tun konnte.


Hoffen kann ich nur.
Dass er mich irgendwann nicht mehr hasst, für das was ich gesagt habe. Dass er irgendwann nochmal auf mich zukommt und vielleicht mit mir reden möchte.
Und vielleicht, dass ich ein bisschen Recht hatte. Aber ich bezweifle das, war wahrscheinlich doch meine Ersatzerklärung für etwas, das ich nicht verstehe und nicht ertragen kann.
Doch selbst wenn ich Recht hätte, wüsste ich nicht, ob es etwas ändern würde. Denn ich vermute gerade, er würde es nicht wissen wollen. Dass ich möglicherweise nicht ganz falsch liege. Und wenn er es nicht wissen wollen würde, was hätten wir dann davon? Dann wäre es im Prinzip, als hätte ich doch nicht Recht, da er es verleugnet, es von sich wegschiebt und die Gedanken nicht zulässt. Weil es ja gut, perfekt sein muss.
Aber alles Gedankenspielereien.
Wahrscheinlich werde ich nicht einmal erfahren, ob er ernsthaft darüber nachgedacht hat oder ob er einfach nur wütend auf mich ist. Bleiben wird.

"Ohne meine Ironie und Sarkasmus würde ich jetzt auf der Stelle sterben. So weine ich nur die halbe Nacht."

Ich darf wirklich nicht darüber nachdenken, realisieren, was das alles bedeutet.

19.6.08 19:11


Es ist merkwürdig, oder?
Distanz wird zum Alltag, sich im Grunde nicht mehr kennen und aneinander vorbeilaufen ohne diese alte Wärme im Blick normal.

Und trotzdem.
Trotzdem ist da etwas, was bleibt.
Trotzdem ist man so neugierig darauf, wie er denkt. Mehr als alles andere will man das noch immer wissen, trotz Allem.
Und irgendwo hinter all dem Vergessen und Verloren-haben will man doch vielleicht noch immer irgendwie nur - dass es nicht vorbei wäre.

24.6.08 18:00


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